

Barbara
Baur-Edlinger
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Die Skulptur
Die Skulptur ist ein großer Ring (Ehrenring). Der Innendurchmesser des Ringes entspricht der Körpergröße von Frau Dr. Aigner-Rollett. Dieser Ring wurde in zwei Teile zerschnitten und an den Wirkungsorten von Frau Dr. Aigner-Rollett, direkt aus der Erde kommend, angebracht. Das heißt, die Skulptur steht auf keinem Fundament, das sich in der Erde befindet. Diese zweigeteilte Skulptur ist aus Stahl gefertigt und blattvergoldet.
Die Schnittstellen sind Informationsstellen, es sind dort visuelle Bildträger angebracht, die von interessierten Frauen als Kommunikationsmittel und Artikulationsmittel verwendet werden können.
Jede Ringskulptur ist ein einer bestimmten Neigung zur Erdoberfläche aufgestellt. Die Neigung entspricht dem Sonneneinfallswinkel, der am Geburtstag und zur Geburtsstunde (Azimut und Höhe über dem Horizont) bzw. dem Sonneneinfallswinkel, der am Sterbetag und zur Sterbestunde eingefallen ist.
Jede Ringskulptur trägt – wie auch andere Edelmetallschmuckstücke – eine „Punzierung“, die die Daten von Dr. Aigner-Rollett (Dr. Oktavia Aigner-Rollett, 23. Mai 1877 – 22. Mai 1959, erste Ärztin von Graz) trägt.
Die Aufstellungsorte
Jede Ringhälfte steht für sich allein auf einem öffentlichen Platz im Bereich des Wirkungsortes. Ein Wirkungsort ist die Universität Graz, wo Dr. Aigner-Rollett als eine der ersten Medizinstudentinnen am 5. Dezember 1905 promovierte. Gleichzeitig ist der Platz der heutigen Vorklinik in der Harrachgasse ihr Geburtsort.
Der zweite Wirkungsort ist der Bereich am Paulustor, wo sich damals das Allgemeine Krankenhaus und das Anatomische Institut befanden.
Dr. Aigner-Rollett war als erste Frau am Allgemeinen Krankenhaus als Ärztin tätig.
Die Schnittstellen
Die Schnittstellen der Ringhälften sind Informationsbasen. Im Hohlraum des Ringes befindet sich auf der einen Seite ein Monitor, der für den Betrachter der Skulptur als Bildschirmoberfläche wahrnehmbar ist.
Der Bildschirm ist mit einem Rechner verbunden, dieser wird mit Informationen von seiten der Frauenkoordinationsstelle der Uni Graz, dem Frauengesundheitszentrum aber auch von anderen Frauengruppen gespeist.
Diese Gruppen sind mit dem Rechner in Form einer Fidonetztechnologie miteinander verbunden. Sendezeit und Sendedauer der Daten sind aufgrund eines speziellen Programmes (Binkley) von den beteiligten Gruppen selbst wählbar. Die Informationen werden ständig erneuert.
Die Daten (Lebenslauf) von Frau Dr. Aigner-Rollett sind in gewissen Intervallen immer wieder zu sehen. Die ständige Betreuung wird von der Werkstadt Graz durchgeführt.
Barbara Baur-Edlinger, 1997
Das „Ehrendenkmal für Dr. Oktavia Aigner-Rollett“ geht 1993 aus dem, auf Initiative der Frauenbeauftragten Grete Schurz um zwei Frauendenkmäler im öffentlichen Raum erweiterten, Wettbewerb des Landes Steiermark zur Ergänzung der „Steirischen Ehrengalerie“ mit Büsten berühmter Steirerinnen hervor.
Die Jury begründet ihr Urteil damit, "daß Frau Baur-Edlinger den gängigen Denkmalbegriff hinterfragt und den weiblichen Lebenszusammenhang der Gegenwart in die Erinnerungsarbeit an Oktavia Aigner-Rollett integriert und die Funktion der Frau in der Öffentlichkeit behandelt.
Als Schmuckkünstlerin bedenkt sie die Funktion des Schmuckes für die Frau allgemein und überträgt die als dekorativ verstandene Funktion auf den intellektuellen Habitus von Frau Aigner-Rollett. Sie setzt damit Klischees der Weiblichkeit in Kontrast zur Intellektualität von Frau Aigner-Rollett und damit ein Denkmodell für die Gegenwart.“[1]
Im Juni 1997 wird das Denkmal für die erste Grazer Ärztin durch den Landeskulturreferenten Schachner-Blazizek enthüllt.
Die Frauenforschungsstelle der Uni Graz, MAFALDA und das Frauengesundheitszentrum Graz beteiligen sich am „Kommunikationsprojekt“ RING (Baur-Edlinger).
Nach einem Jahr muss der Betrieb des Computer-Netzwerks aufgrund der benutzerunfreundlichen und störungsanfälligen Software eingestellt werden.
Barbara Baur-Edlinger arbeitet aktuell an einem verbesserten, über das Internet laufenden, Programm sowie an der Ermöglichung der Neuinstallation. (Die derzeitige „Aufstellung“ der fragmentierten RING-Hälfte vor der Vorklinik entspricht in keiner Weise dem Konzept).
BK
[1] aus dem Ergebnisprotokoll der Jury vom 19. November 1993